29.06.2015

Shine will Werbung aus mobilem Internet verbannen

Das Werbeblocker-Unternehmen Shine will mobiles Internet von Werbung befreien. Realisiert werden soll das Ganze über eine Technik, die direkt beim Netzbetreiber aufgestellt wird und die Reklame aus dem Netz fischt.

Blockierung von Werbung in Zusammenarbeit mit Providern

Viele mobile Online-Webseiten sind werbefinanziert. Damit soll nun bald Schluss sein – zumindest wenn es nach Shine geht. Das Unternehmen will laut eines Berichts der Financial Times Smartphones und Tablets von Werbebannern und Co. befreien.  

"Wir installieren bei den Providern Kisten mit unserer Technik", erklärt Shines Vermarktungschef Roi Carthy. Mit einer Reihe von Mobilfunkanbietern habe man bereits Vereinbarungen geschlossen, darunter auch europäische Unternehmen. Einer der Konzerne soll 40 Millionen Vertragskunden zählen.

Deutsche Mobilfunker äußern sich verhalten zum Shine-Projekt

"Provider rund um die Welt" dächten bereits über Anzeigenblockaden auf Mobilgeräten nach, sagt Carthy. Um welche Netzbetreiber es sich dabei genau handele, ist nicht bekannt. Die Mobilfunker können laut Carthy selbst entscheiden, ob sie mit Shine kooperieren oder nicht. Der Vermarktungschef merkt aber an, das Provider mit der Lösung seines Unternehmens die Chance hätten, "Vorkämpfer für die Rechte der Verbraucher" zu werden.

Auf Nachfrage von Spiegel Online kommentierten weder Vodafone noch Telefónica Germany (E-Plus und o2) den Bericht der Financial Times. Die Telekom Deutschland meinte nur: "Wir beobachten den Markt, haben aber derzeit keine Maßnahmen geplant."

Alternative Einnahme-Quellen sind erforderlich

Im Browser habe man laut Carthy heute schon "ziemlich angemessene Möglichkeiten", Werbung zu blockieren. Jedoch laufen gegen den Anbieter des größten Herstellers von Adblocker-Plug-ins für Webbrowser hierzulande mehrere Klagen.

Carthy bleibt kämpferisch. Dass Internetnutzer überhaupt Werbeblocker einsetzten, zeige doch, dass es einen Bedarf gebe. Zudem fügt der Shine-Manager an: "Wir sind für eine Wahlmöglichkeit für die Nutzer, wir halten das für deren Recht." Unternehmen und Website-Betreiber müssten künftig anstatt auf Anzeigen auf andere Möglichkeiten zurückgreifen, um online Geld zu verdienen. Eine Alternative wäre das sogenannte Native Advertising, also Werbung im redaktionellen Gewand. Außerdem sieht Carthy auch Abonnement-Modelle oder Werbung in personalisierten Nachrichtenfeeds wie bei Twitter, Facebook oder Snapchat als Möglichkeit. Werbeformate wie gesponserte Tweets soll die Shine-Technik übrigens nicht aussortieren.

„Das wird ein Krieg und es wird Opfer geben“

Dass das Vorhaben von Shine heftige Reaktionen auslösen wird, ist Carthy klar. "Ich bin sicher, dass man das juristisch anfechten wird", sagt er. Die juristischen Implikationen seien aber "von allen Beteiligten geprüft worden", die Rechtsabteilungen der kooperierenden Provider eingebunden. Etwas pathetisch fügt Carthy an: "Das wird eine große Schlacht, ja ein Krieg, und es wird Opfer geben."

Doch was ist mit der Netzneutralität? Wird diese nicht durch den Eingriff der Provider in den Internet-Datenstrom umgangen? Auch dafür hat Carthy eine Antwort: Immerhin kämpfe man für die Rechte der Nutzer. Derzeit arbeitet die EU aber daran, die Netzneutralität verbindlich festzuschreiben. In den USA ist es Anbietern wohl verboten, in den Datenverkehr einzugreifen.

Besonders heikel könnte sich das ganze Vorhaben für Netzanbieter gestalten, die selbst Geld mit Online-Werbung verdienen. Das Herausfiltern von Reklame der Konkurrenz könnte somit als Wettbewerbsverzerrung verstanden werden. Laut eines deutschen Branchen-Insiders ist es kaum vorstellbar, dass sich Provider unter diesen Bedingungen dem Shine-Projekt anschließen. Mit solcher Blockade bewege man sich rechtlich auf sehr dünnem Eis. Vielleicht wolle man mit dem Vorhaben einfach ausprobieren, wie die mediale Reaktion auf solch einen Vorstoß aussieht.

Autor: ES