17.08.2011

Deutsche sollen bald mit dem Handy zahlen

Die Deutschen sollen bald mit dem Handy zahlen – erst einmal kleinere Beträge in Schnellrestaurants, Drogerien und Coffeeshops. Haben sie sich daran gewöhnt, dann können sie auch größere Posten per Mobiltelefon begleichen.

„Ich gehe davon aus, dass Kunden bereits im nächsten Jahr ihre Kreditkarte zu Hause lassen und stattdessen auf die Bezahlung mit dem Handy umstellen“ erklärte Michiel van Eldik, zuständiger Manager bei Telefónica O2.

Und so soll das Bezahlen funktionieren

Das Bezahlen soll demzufolge so funktionieren: Anfang 2012 bieten die drei Mobilfunkbetreiber kostenlose Sticker zum Aufkleben an. In die ist ein Computerchip eingebaut, der mit der sogenannten Near-Field-Communication arbeitet. Damit wird jedes Handy, das SMS empfangen kann, zur mobilen Geldbörse. Der Kunde klebt den entsprechenden Sticker mit dem eingebauten Chip auf das Handy oder legt ihn ins Batteriefach.

Zuvor werden in einer Reihe von Läden Lesegeräte installiert, welche die Daten des Sticker-Chips auslesen können.  Will der Kunde dann bezahlen, hält er sein Handy vor dieses Lesegerät. Der fällige Betrag wird dann mit der Mobilfunkrechnung von seinem Konto abgebucht. Hat der Kunde keinen festen Vertrag, wird die Rechnung von der Prepaid-Karte des Handys beziehungsweise dessen Guthabenkonto abgezogen.

Erster Modellversuch im Herbst

Schon seit geraumer Zeit arbeiten die drei Mobilfunkbetreiber beim mobilen Bezahlen zusammen, doch passiert ist einstweilen nicht viel. Wie die deutsche Wirtschaftszeitung „Handelsblatt“ schreibt, dauert es zu lange, die getrennt in jedem Unternehmen ablaufenden Abstimmungsprozesse dann zusammenzuführen. Deshalb gründen Telekom, Vodafone und Telefónica O2 eine Firma mit dem Namen „Mpass GmbH“, die sich um Vertrieb, Marketing und um die  Weiterentwicklung der „Near Field Communication“ (NFC) genannten Technik kümmert, die das Bezahlen mit dem Handy ermöglicht, so hat das „Handesblatt“ von den beteiligten Unternehmen erfahren. Ein erster Modellversuch soll bereits im vierten Quartal beginnen, so berichtet „Welt online“ unter Berufung auf die Deutsche Telekom.

Allerdings steht die Zustimmung der Kartellbehörden zu dem gemeinsamen Projekt noch aus. Und erst einmal müssen Lesegeräte in einer Reihe von Läden installiert werden, derzeit laufen Verhandlungen mit Firmen, die Ladenketten in den Bereichen Schnellrestaurants, Drogerien oder Coffeeshops betreiben.

Die Konkurrenz ist groß

Mobiles Bezahlen per Handy oder Smartphone wird weltweit als eine Gewinn bringende Zukunftstechnik angesehen. Auf diesem Gebiet versuchen sich verschiedene Akteure wie Banken oder Kreditkartenanbieter aber auch der Suchmaschinenriese Google; bislang hat noch keiner eine Anwendung für den Massenmarkt im Angebot.

Die drei deutschen Telekom-Unternehmen preisen einstweilen die Vorzüge ihrer Lösung an: Der Händler erhält keine Konto-Daten oder Kreditkartennummern des Kunden. Dieser kann mit dem Handy automatisch Bonuspunkte sammeln oder Gutscheine freischalten – er hat weniger Plastik oder Papier im Geldbeutel, die nötigen Daten sind alle auf dem Handy.

Hintergrund ist das Bemühen der Mobilfunkbetreiber, nicht nur reine Datenleitungen als solche anzubieten, sondern dem Kunden zunehmend eigene Dienstleistungen zu offerieren.

Autor: et