05.01.2017

Mobile Datentarife in Deutschland – teuer und beschränkt

Wer in Deutschland im Mobilfunknetz surft, tut dies in der Regel mit einem Datentarif, dessen Volumen begrenzt ist. Zwar sind die Preise für solche Tarife in den letzten Jahren deutlich gesunken. Dennoch belegt Deutschland, was das Preis-Leistungs-Verhältnis im Mobilfunksektor angeht, im europäischen Vergleich einen der hinteren Plätze.

Deutschland – ein Mobilfunk-Entwicklungsland

Wer mit Smartphone, Tablet oder Laptop in deutschen Mobilfunknetzen surft, kann dies in der Regel mit rasanten Geschwindigkeiten tun – aber nur bis zu einem bestimmten Volumen. Die Mobilfunktarife der deutschen Anbieter beinhalten ein sogenanntes Inklusiv-Volumen. Pro Monat steht eine bestimmte Menge an Daten für das mobile surfen zur Verfügung. Ist dies aufgebraucht, wird entweder die Surf-Geschwindigkeit auf GPRS-Niveau gebremst oder der Kunde muss neues Datenvolumen nachkaufen.

Hierzulande hat man sich an diese Vorgehensweise gewöhnt. Doch was viele nicht wissen: In vielen EU-Ländern sind die Konditionen für Mobilfunktarife deutlich attraktiver. Dort werden Tarife nicht nur günstiger angeboten, sondern auch mit unbegrenztem Datenvolumen. Somit gilt Deutschland wohl als Entwicklungsland, was das Preis-Leistungs-Verhältnis im Mobilfunk betrifft.

Polen und Dänen leben im Mobilfunk-Paradies

Statista und Spiegel Online haben eine Grafik veröffentlich, die die Unterschiede in den europäischen Ländern deutlich macht. Verglichen wurden Tarife mit einem Monatspreis von 30 Euro. Damit wollte man herausfinden, welche Leistungen – Surf-Flatrates mit oder ohne Volumenbegrenzung – man für sein Geld bekommt. Die Unterscheide könnten kaum größer sein: So können Kunden in Dänemark oder Polen für etwas mehr als 15 Euro im Monat unbegrenzt im mobilen Internet surfen. Das heißt, für 30 Euro bekommt man dort gleich zwei Flatrates.  

In England oder Frankreich gibt es für unter 30 Euro immerhin Datenpakete von 50 oder 30 Gigabyte (GB) monatlich. Zum Vergleich: Hierzulande bekommt der Kunde für rund 30 Euro – wenn es gut läuft – 6 GB. In der Regel kann der Kunde eher mit 1 bis 3 GB rechnen. Damit belegt Deutschland im Vergleich den drittletzten Platz von zwanzig. Lediglich in Rumänien und Zypern ist das Preis-Leistungs-Verhältnis noch schlechter.

Die Marktmacht von Telekom und Co.

Der Grund für die vergleichsweise hohen Preise hierzulande ist die Marktmacht der großen Anbieter. Telefónica Deutschland, das die Netze von o2 und E-Plus vereint, kommt auf einen Marktanteil von 34 Prozent, Vodafone sichert sich 33,3 und die Telekom Deutschlabnd kommt auf 32,7. Das heißt: Die drei großen Netzbetreiber teilen sich die Netze zu gleichen Teilen.

Laut comScore gibt es in Deutschland fast 50 Millionen Smartphone-Nutzer. Die Mehrheit von ihnen ist direkter Kunde bei den Netzbetreibern, der Rest nutzt als Kunde von Discount-Anbietern die Netze indirekt. Discount-Anbieter betreiben kein eigenes Mobilfunknetz, sondern greifen auf die Netz-Infrastruktur von Telefónica, Vodafone und der Telekom mittels Kooperationsverträgen zurück.

Keine staatliche Förderung für Netz-Ausbau

Zusätzlich zum begrenzten Wettbewerb gelten die Kosten für den Netzausbaus als Grund für die hohen Tarif-Kosten. In Deutschland mussten die drei Netzbetreiber – im Vergleich zu anderen europäischen Ländern – für die Lizenzen neuer Frequenzbereiche tief in die Tasche greifen. Zudem wird der LTE-Ausbau hierzulande – im Gegensatz zu anderen Ländern – nicht staatlich subventioniert. Die Kosten für den Ausbau werden demnach auf den Kunden abgewälzt.

Deutlich wird die Situation auf dem deutschen Mobilfunkmarkt, wenn man sich die Markübersicht des finnischen Beratungsunternehmens Rewheel anschaut. Der „Digital Fuel Monitor“ unterscheidet in der EU drei Kategorien von Märkten: die mit funktionierendem, solche mit geringem und jene ohne funktionierenden Wettbewerb. Deutschland liegt bei diesem Ranking auf dem letzten der 28 zu vergebenen Plätze – hinter Bulgarien, Griechenland und Ungarn.

Autor: ES